BUNTE "KLEBEPFLASTER"?!

 

Bei großen Sportveranstaltungen sieht man kaum noch einen Athleten ohne diese bunten Streifen: Ein Kinesio-Tape auf der nackten Haut zu tragen, gehört heute für Spitzensportler fast schon zum guten Ton. Der Trend zum Leuchtband begann übrigens mit einem Fußballer: Als sich David Beckham vor Jahren nach seinem letzten Spiel für Real Madrid des Trikots entledigte, bestaunten die Zuschauer nicht etwa das schulterbreite Tattoo auf seinem Rücken, sondern vielmehr ein paar pinkfarbene Pflasterstreifen. Jeder wollte wissen, was das ist!

Dabei sind die ursprünglich aus der japanischen Heilkunde stammenden Tapes, die das englische Fußballidol von seinen Rückenschmerzen befreien sollten, längst nicht mehr nur im Spitzensport, sondern auch in der alltäglichen physiotherapeutischen Praxis längst angekommen.

 

Was ist Kinesiotape?

 

Kinesiotape ist ein elastisches Tape aus Baumwolle, versehen mit einem Acrylkleber. Was die Elastizität und Dicke betrifft, hat das Tape die selben Eigenschaften, wie die menschliche Haut. Das Tape bleibt je nach Qualität ungefähr 3 bis 7 Tage auf der Haut kleben und ist wasserfest.

Das elastische Tape wurde in den 70er Jahren in Japan entwickelt. Die Methode findet ihren Ursprung in den Grundsätzen der Bewegungslehre, die bekannt ist unter dem Namen Kinesiologie.

Die Kinesiologie ist eine Therapieform, bei der Muskeltests angewendet werden, um heraus zu finden, wo im Körper das Gleichgewicht gestört wurde und wie es wieder hergestellt werden kann. In Japan und später in Korea hat man entdeckt, dass durch das Anbringen von elastischem Tape in der Kinesiologie das Gleichgewicht schneller wieder hergestellt werden konnte.

Kinesiotape kann bei unterschiedlichen Verletzungen und Beschwerden angewendet werden. Es beschleunigt die Selbstheilung des Körpers, bietet Unterstützung, Stabilität und schränkt die Beweglichkeit nicht ein. Die Tapebehandlung ist Teil einer Komplettbehandlung durch einen Profi aus dem Gesundheitswesen. Das Kinesiotape kann während des gesamten Genesungsprozesses eingesetzt werden.

 

Wie wirkt Kinesiotape?

 

Beim Anbringen des Kinesiotapes werden die Muskel und Gelenke gedehnt und im Anschluss wird das Tape auf die Haut geklebt. So bleibt uneingeschränkte Bewegungsfreiheit möglich. Wenn der Körperteil zurück in die entspannte Haltung gebracht wird, hebt das Tape die Haut etwas an. Man sieht, dass an der Stelle, an der das Tape angebracht ist, Wellen entstehen. Diese nennt man Convolutions.

Durch die Convolutions entsteht ein Abstand zwischen der Oberhaut und der Unterhaut, wo sich eine Vielzahl von Rezeptoren von Nerven, Blut- und Lymphgefäßen befindet. In der obersten Schicht der Haut (der superfaszialen Faszia) befinden sich 85% der Schmerzsensoren. Durch das Tape wird das schmerzlindernde System aktiviert. Der Schmerz verschwindet, wodurch der Patient sich wieder besser bewegen kann und die ursprüngliche Muskelaktivität genutzt werden kann. Dieses Resultat ist direkt während der Behandlung schon spürbar.

 

Typische Anwendungsgebiete für Kinesio-Tape:

  • Nach Gelenkverletzungen, wie beispielsweise nach dem Umknicken des Sprunggelenks oder dem Verdrehen des Knies.
  • Klassische Muskelprobleme, wie Rückenschmerzen, oder Verspannungen im Schulter- Nackenbereich.
  • Schultersteife
  • Instabilitäten eines Gelenkes infolge von Sehenverletzungen.
  • Überlastungen, wie beispielsweise ein sogenannter „Tennis-Arm“.
  • Kopf- und Nervenschmerzen.

 

Warum solltest du Kinesio-Tapes nicht selbst kleben?

 

Es sieht recht einfach aus. Um den gewünschten Effekt zu erzielen, müsstest du deine Muskeln und die darüber liegende Haut in einer bestimmten Art und Weise vordehnen und dann das ebenfalls vorgedehnte, sorgsam zugeschnittene, bunte „Pflaster“ aufkleben. Ohne exakte anatomische Kenntnisse wird das jedoch kaum gelingen.

Zudem betrachten Ärzte und Therapeuten ihre Patienten immer als eine Einheit und tapen nicht unbedingt ausschließlich dort, wo der Schmerz sitzt. Auch die damit zusammenhängenden, benachbarten Strukturen werden in die Therapie mit einbezogen.

Es kann durchaus sein, dass dir dein Therapeut nach eingehender Untersuchung ein Kinesio-Tape zusätzlich auf den Rücken klebt, obwohl du lediglich Probleme mit dem Knie hast.

Übrigens: Es kann durchaus sinnvoll sein, Tapes vorbeugend einzusetzen. Falls du beispielsweise auf einen Marathon trainierst, kannst du eventuell mit gezieltem Waden-Taping das Risiko eines Wadenkrampfes minimieren.